Aktuelles, Allgemein

Aktuelle Auseinandersetzung zur Homöopathie

– Fragen zu homöopathischen Studien

Wenn Sie durch Meiden stöbern,  werden Sie viele Artikel finden, die ungeprüft von der Wirkungslosigkeit der Homöopathie ausgehen. Ist unwahr, oder ehrlicher: Gelogen:  Hier eine Gegenrede: 

  1. Richtig ist, dass die Wirksamkeit der Homöopathie wissenschaftlich gesichert ist (s.u.), dass aber ohne Zweifel noch sehr viel weitere Forschung notwendig ist
  2. Richtig  ist, dass homöopathische Ärzt*innen ihren Patien*innen größtmögliche Therapiesicherheit in einem gleichzeitig offenen und pluralen Methodenspektrum anbieten
  3. Richtig ist, dass Patient*innen als mündige Bürger*innen in eigener Verantwortung entscheiden, wie sie behandelt werden möchten und sich dabei Ärzt*innen auswählen, die ihr Vertrauen finden 
  4. Richtig ist, dass Placeboeffekte auch im Bereich Homöopathie bekannt, von gut ausgebildeten und erfahrenen Behandlern (und von vielen Patient*innen!) aber von homöopathischen Arzneiwirkungen unterscheidbar sind
  5. Richtig  ist, dass Homöopathie eine kostengünstige, gleichzeitig nebenwirkungsarme und zudem in der Praxis effektive Therapieergänzung darstellt
  6. Richtig ist, dass das Sozialgesetzbuch Homöopathische Arzneimittel als Medikamente mit spezieller therapeutischer Anwendung ansieht und damit maximale Sicherheit in Herstellung und Vertrieb durch Apotheken gewährleistet ist.
  7. Gefährlich ist deshalb die Forderung, Homöopathie aus den Apotheken zu nehmen und homöopathische Therapie aus dem Katalog der besonderen Therapierichtungen zu streichen.
  8. Falsch ist die Aussage, die Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo hinaus sei nicht bewiesen. Das Gegenteil ist  der Fall (s.u.).  Medien  wären gut beraten, ihre eigene Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und die von sogenannten Skeptikern initiierte Echokammer contra Homöopathie zu meiden
  9. Falsch  ist die Aussage, durch Homöopathie werde eine wirksame Therapie von Krankheiten verschleppt. Hierfür gibt es keinerlei Hinweise.  Viele Ärzt*innen wenden neben konventioneller Medizin auch Homöopathie an und wägen vor dem Hintergrund ihres Berufsethos sowie aus nachvollziehbaren juristischen Gründen sehr wohl ab, wann welche Therapieform möglich bzw. erforderlich ist
  10. Falsch ist die Aussage einer „Statusaufwertung“ der Homöopathie durch Apothekenpflicht speziell vor dem Hintergrund des im Antrag ausdrücklich geforderten Patient*innenschutzes: Seit mehr als 15 Jahren bieten die Apothekerkammern ihren Mitgliedern strukturierte Weiterbildung in Naturheilverfahren und Homöopathie an, um die Beratungskompetenz sicherzustellen. Diese Kompetenz dient der Sicherheit und dem Schutz der Patien*innen.
  11. Falsch ist die Unterstellung, Patient*innen seien nicht über das Wesen der Homöopathie sowie ihre Möglichkeiten und Grenzen informiert und müssten daher vor Homöopathie geschützt werden. In Zeiten von Internets und „Dr. Google“ entscheiden sich Patien*innen bewusst und wohlinformiert für Homöopathie, anderslautende Aussagen unterstellen ihnen lediglich Unmündigkeit
  12. Falsch ist, eine negative Korrelation herzustellen zwischen Kostenerstattung für Homöopathie und negativen Auswirkungen für die Solidargemeinschaft der Versicherten: Kosten für Homöopathie liegen im Promillebereich, die Streichung ihrer Erstattung führt daher zu absolut marginaler Einsparung und Abwanderung in kostenintensivere Therpaiegebiete. Es werden wesentlich teurere Therapien von den Kassen bezahlt, ohne dass in vielen Fällen ausreichende Evidenz vorliegt

– Australische Studie weist Wirksamkeit der Homöopathie nach.

Nach langem Ringen und juristischem Vorgehen wurde der erste Bericht der großen Australischen Studie zur Homöopathie und ihrer Wirksamkeit öffentlich gemacht. Ursprünglich war dieser in den Schubladen verschwunden und stand der Öffentlichkeit entgegen guter wissenschaftlicher Praxis nicht zu Verfügung. Hier klicken

– Professoren und Ärztegesellschaften unterstreichen mit einer Deklaration die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der Homöopathie

Hier klicken

-Prof. Harald Walach:

Die populärsten Irrtümer über die Homöopathie und die konventionelle Medizin

–          Irrtum Nr. 1 – Therapieprinzip unbewiesen

–          Irrtum Nr. 2 – Unwissenschaftlich

–          Irrtum Nr 3 – Fehlende Diagnostik

–          Irrtum Nr. 4 – Ungeprüfte Medikamente

–          Irrtum Nr. 5 –Teurer Zucker

–          Irrtum Nr. 6 – Widerwärtige Arzneimittel

–          Irrtum Nr. 7 – Gefährlich

–          Irrtum Nr. 8 –Potenzierung – alles Hokuspokus

–          Irrtum Nr. 9 – Unmöglich

–          Irrtum Nr. 10 –  „Nichts drin“

–          Irrtum Nr 11 – Veraltete Theorie

 – Leserbrief Augsburger Allgemeine (nicht veröffentlicht)

Glaubenskrieg um Globuli vom 13.7.2019

Dr. Jörg Haberstock 

Sicherlich gehört die Homöopathie zu den Herausforderungen für einen naturwissenschaftlichen Geist, entsprechend verständlich mögen auf den ersten Blick die Zweifel über die Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen in einem primär wissenschaftlich orientierten Gesundheitssystem erscheinen. Als leidenschaftlicher Arzt und ebenso leidenschaftlicher Homöopath finde ich einen zweiten und differenzierteren Blick lohnend:  Es gibt gute Gründe, warum die Homöopathie sich solcher Beliebtheit erfreut und warum sie seit weit über 200 Jahren weltweit viel tiefer verwurzelt ist, als die Gegner oder Skeptiker es gerne hätten: Zunächst ist das Argument falsch, es gäbe keinen Wirksamkeitsbeweis für die Homöopathie. Die Behauptung wird auch nicht richtiger wenn sie gezielt oder unrecheriert gebetsmühlenartig wiederholt wird. Es gibt vielfältige Studien, die sowohl die Wirksamkeit bei unterschiedlichen Erkrankungen, wie Schlafstörungen oder ADS bei Kindern beschreiben. Entgegen der falschen Behauptungen der Skeptiker kommen Metanalysen über viele verschiedene Wissenschaftsstudien zu einem positiven Ergebnis für die Homöopathie, wenn sie denn fair durchgeführt wurden. Der Effekt homöopathischer Kügelchen lässt sich an z. B. Wasserlinsen oder im Froschdarmversuch pharmakologisch standardisiert reproduzieren. Die Kosteneffektivität der Homöopathie ist gut belegt mit unterschiedlichen und durchwachsenen bis positiven Ergebnissen. Ich kann und muss als Arzt bei meinen Patienten eindeutig und klar den Plazeboeffekt von einer homöopathischen Wirkung unterscheiden, und teile dies mit tausenden von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie in Deutschland und zehntausenden weltweit. Die Homöopathie hat ein eigenständiges der Methode angemessenes Dokumentations- und Wissenschaftssystem, und dazu noch eines der ältesten und erfahrensten der Neuzeit. Wer diese Ergebnisse und Erfahrungen ignoriert, folgt offensichtlich anderen Interessen, als der Wahrheitssuche oder dem Einsparungsgebot der Krankenkassen. 

Als weicheres, aber gewichtigeres Argument gerade für den Erhalt der Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen könnte noch etwas ganz anderes ins auge gefasst werden: Der Sektor Homöopathie ist eine finanzielle Marginalie (ich meine 0,1% des Gesamtvolumens), und spielt dennoch eine große Rolle für vergleichsweise viele Patienten im gleichen Gesundheitswesen: Ich würde mal die Behauptung aufstellen, dass – sollten die Patienten keine homöopathische Alternative für ihre akuten, kleinen oder großen Beschwerden im Gesundheitssystem finden, wenden sie sich garantiert teureren Ressourcen zu oder werden ihnen zugeführt, um dort Zeit und Zuwendung von anderer Seite zu beanspruchen. Das wird dann sicher teuer, und ob diese Maßnahmen dann so hinwendungsvoll individualisiert zugewandt und gleichzeitig nebenwirkungsfrei effektiv sind, mag sich jeder selber ausdenken. In meine Praxis jedenfalls kommen viele Patienten und ihre Familien auch deswegen, weil sie sich in diesem Setting innerhalb des Gesundheitswesens gut aufgehoben fühlen und das sehr gerne auch parallel zu konventioneller Medizin, auch in meiner Praxis. Dabei müssen sie noch nicht mal an die Wirksamkeit der Homöopathie glauben. Sie funktioniert dennoch. Wie auch übrigens bei den vielen Landwirten, die aus ganz anderen Motiven zunehmend auf Homöopathie zurückgreifen in ihrer Tierhaltung.

Noch ein soziales Argument. Nimmt man die Homöopathie aus den Krankenkassenerstattungen, dann werden finanziell weniger gut aufgestellte Patienten immer weniger Zugang zu Homöopathie oder anderen komplementärmedizinischen Methoden behalten können. 

Und zu guter Letzt: Selbst wenn die Homöopathie nicht ausreichend Wirksamkeit und Effektivität beweisen würde, was sie ja nicht tut, dann wäre der Sparansatz im Gesundheitswesen andernorts geradezu eine Goldgrube: Knapp die Hälfte aller schulmedizinischen Verfahren, die etabliert täglich eingesetzt werden entziehen sich fraglich oder sogar erwiesenermaßen einer evidenzbasierten Wirksamkeit. Fair wäre, gleiche Maßstäbe für alle.