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Homöopathieausbildung nicht mehr für Ärzte

Die Bayerische Landesärztekammer hat die ärztliche Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung aufgegeben. Ich hatte noch mit einem Brief am Vorabend der Entscheidung um den Erhalt gebeten, siehe unten, eine Antwort auf meinen Brief lautet wie folgt:

Sehr geehrter Herr Kollege Haberstock,

zunächst ersuche ich nach Art. 15 DSGVO um schriftliche Auskunft:
1.) Welche personenbezogenen Daten über meine Person bei Ihnen vorliegen,
2.) die Herkunft dieser Daten sowie
3.) in welcher Form diese von Ihnen und/oder Ihrer Organisation verarbeitet wurden.

Dann möchte ich festhalten, dass ich es unseres Berufsstandes für unwürdig halte, eine pseudowissenschaftliche, seit >200 Jahren ohne Beweis der Wirkung oder jeglicher wissenschaftlicher Weiterentwicklung befindliche „Therapiemethode“ zu vertreten.

Auf weitere Argumente wie die bizarre Sonderstellung der homöopathischen Pharma-Industrie oder die Finanzierung von Pseudomedizin aus den begrenzten und knappen Mitteln eines gemeinschaftlich finanzierten Gesundheitssystems verzichte ich an dieser Stelle, da Sie diese vermutlich zuhauf kennen und offensichtlich wissentlich ignorieren.

Kollegiale Grüße,

 

Liebe Delegierte,

bevor Sie sich dankenswerterweise für uns Ärztinnen und Ärzte in den Sitzungsmarathon des Bayerischen Ärztetages begeben, möchte ich Sie mit zwei Argumenten ermutigen, sich für den Erhalt der Zusatzbezeichnung Homöopathie auszusprechen:

Unabhängig davon, was Sie selbst von dieser Therapiemethode halten mögen, sollten wir unsere -noch umfangreiche- Therapiefreiheit bei uns Ärzten verankert lassen. Mit der Streichung der Zusatzbezeichnung geben wir beispielhaft einen von verschiedenen Bausteinen ärztlicher Autonomie preis, und wir wissen nicht, welche weiteren folgen. 

Mit einem solchen Verlust verschieben wir ärztliche Handlungsfähigkeit zwangsläufig aus unserem Einflussbereich, denn sehr viele Patienten schätzen ihrerseits die Homöopathie als Option. Wandern sie zu anderen Anbietern ab, haben wir Ärzte mit den Patienten auch die therapeutische Sicherheit für diesen Bereich aus unserer Hand gegeben.

Beide Argumente könnten für Sie hinreichend sein, für den Erhalt der Zusatzbezeichnung zu stimmen, und weiterhin eine sichere und plurale ärztliche Weiterbildung in diesem Bereich zu sichern.

Eine fruchtbare Tagung wünsche ich Ihnen allen, 

mit herzlichen Grüßen aus Augsburg

Jörg Haberstock